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SĂ€kularisation
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Als SĂ€kularisation wird ursprĂŒnglich die staatliche Einziehung oder Nutzung kirchlicher BesitztĂŒmer (Land oder Vermögen) bezeichnet. Im engeren Sinne versteht man darunter die SĂ€kularisationen wĂ€hrend des napoleonischen Zeitalters (d. h. von 1799 bis 1821), bei der zwei Formen zu unterscheiden sind: einerseits die Aufhebung kirchlicher Institutionen, Abteien und Klöster und die Verstaatlichung ihres Besitzes (Einziehung von KirchengĂŒtern), andererseits die Einverleibung (Annektierung) der geistlichen FĂŒrstentĂŒmer und Herrschaften des Heiligen Römischen Reiches durch gröĂere Territorialstaaten. Eine wichtige Rechtsgrundlage bildete der Reichsdeputationshauptschluss, eine Folge der Niederlage der Alliierten im Zweiten Koalitionskrieg.
In einem weiteren Sinn versteht man unter SĂ€kularisation allgemein die Abwendung von der Religion und von religiösen Werten als gesellschaftliche Entwicklung; dafĂŒr ist jedoch eher die Bezeichnung SĂ€kularisierung ĂŒblich.
Contents
âą Etymologie
âą England ab 1535
âą Sachsen ab 1539
âą Bayern ab 1608
âą Ăsterreich
âą Frankreich
âą Italien
âą Soziale Folgen
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Etymologie
Der Begriff leitet sich von lat. saeculum âJahrhundertâ, âZeitalterâ und dem davon abgeleiteten Adjektiv saecularis âsĂ€kularâ, âweltlichâ ab und bezeichnet allgemein einen Wechsel hin zum âZeitlichenâ und Weltlichen. Als Begriff fĂŒr die Enteignung von Kirchengut verwendete schon der französische Gesandte Henri II. dâOrlĂ©ans-Longueville am 8. Mai 1646 bei den Verhandlungen zum WestfĂ€lischen Frieden in MĂŒnster das Verb sĂ©culariser. Er bezeichnete damit den Ăbergang von katholischen GĂŒtern in protestantischen Besitz.
Das lateinische Substantiv saecularisatio war zwar bereits 1559 in Verwendung, das entsprechende Verb 1586. Lateinisch saecularisatio bezog sich damals aber nicht auf Kirchengut, sondern bezeichnete den Ăbergang von Mitgliedern des in Gemeinschaft lebenden Klerus der Bischofskirchen zu allein lebenden Domkapitularen. Die Ausgliederung von Kirchengut wurde zu dieser Zeit als profanatio sacrae rei bezeichnet.cite-ref-1[1]
SÀkularisation vor der Französischen Revolution
England ab 1535
Heinrich VIII., König von England, lieĂ im Zuge des königlichen Suprematsakts von 1535 ab dem Jahr 1538 die englischen Klöster auflösen und konfiszierte ihre BesitztĂŒmer. Ăber hundert frĂŒhere Klosterkirchen blieben als Pfarrkirchen in Verwendung, 14 wurden zu Kathedralen. Im Rahmen der Kampagne gegen den Aberglauben wurden viele Reliquien und Heiligenstatuen zerstört und eingeschmolzen. GroĂe Abteien und PilgerstĂ€tten wie Glastonbury Abbey, Walsingham, die Abtei St. Edmund und Shaftesbury Abbey wurden zu Ruinen. Auch in der Lordschaft Irland und in Wales wurden die Klöster aufgelöst.
Sachsen ab 1539
Nach seiner RegierungsĂŒbernahme am 17. April 1535 lieĂ der sĂ€chsische Herzog Heinrich der Fromme am 23. April 1539 den ersten evangelischen Gottesdienst in der Dresdner Schlosskirche abhalten; feierliche Gottesdienste in Leipzig und in der Dresdner Kreuzkirche folgten. WĂ€hrend einer umfangreichen Kirchenvisitation von Dezember 1539 bis Juli 1540 lieĂ Heinrich alle kirchlichen BesitztĂŒmer sĂ€kularisieren und Klöster aufheben. Im November 1539 setzte er auf dem Landtag in Chemnitz einen landstĂ€ndischen Ausschuss zur Verwendung des sĂ€kularisierten Kirchengutes ein und ĂŒberlieĂ damit die Entscheidung ĂŒber die Verwendung den LandstĂ€nden. Nach dem Tode Heinrichs im Jahre 1541 zog sein Sohn Moritz die VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber das sĂ€kularisierte Kirchen- und Klostergut wieder an sich und lieĂ es teils verkaufen und teils selbst durch landesherrliche Vögte verwalten.cite-ref-2[2]
Heiliges Römisches Reich nach der Reformation
In der Zeit der Reformation muss sorgfĂ€ltig zwischen Reformation und SĂ€kularisation unterschieden werden. Viele geistliche Institutionen schlossen sich der Reformation in ihrer lutherischen Version an, bestanden aber fort. Lutherische erwĂ€hlte Bischöfe, katholischerseits als Administratoren diffamiert, versahen weiterhin geistliche Aufgaben wie die Festlegung liturgischer Regeln und die Ăberwachung von Pfarreien. Im Erzbistum Bremen visitierte sogar der dritte und letzte lutherische Erzbischof Johann Friedrich dem Vernehmen nach 1625 das katholisch gebliebene Kloster Harsefeld. Auch eine beachtliche Anzahl von Klöstern bestand weiter, obwohl zumeist groĂe Teile ihrer Liegenschaften sĂ€kularisiert wurden. Aus dieser Entwicklung heraus gibt es heute die Klosterkammer des Bundeslandes Niedersachsen. Insbesondere waren es Nonnenklöster in den HerzogtĂŒmern Braunschweig und Mecklenburg, die schlieĂlich zu lutherischen Damenstiften wurden.
Andere BistĂŒmer wurden tatsĂ€chlich sĂ€kularisiert, sowohl ihre Liegenschaften als auch ihre Kirchenverwaltung umgehend von weltlichen Obrigkeiten ĂŒbernommen. Ebenso wurden die meisten Klöster schon im Zuge der Reformation aufgehoben, ihre GebĂ€ude oft zu landwirtschaftlichen Zwecken, manchmal aber auch fĂŒr neu geschaffene BildungsstĂ€tten genutzt, darunter viele der im 16. und 17. Jahrhundert gegrĂŒndeten akademischen Gymnasien.
Auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches wurden mit der Beendigung des DreiĂigjĂ€hrigen Krieges durch den WestfĂ€lischen Frieden 1648 die lutherischen BistĂŒmer aufgehoben und ihre Stiftsgebiete sĂ€kularisiert, das Erzstift Magdeburg, das Hochstift Halberstadt, das Hochstift Bremen, das Hochstift Minden und das Hochstift Schwerin in weltliche FĂŒrstentĂŒmer umgewandelt.
Bayern ab 1608
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Hauptartikel
:
SĂ€kularisation in Bayern
Im 16. Jahrhundert richtete Herzog Maximilian I. auf der Grundlage der SuperioritĂ€t des Staates ein geistliches Ratskollegium zur Kirchenaufsicht ein. Ab 1608 beanspruchte der KurfĂŒrst das Patronatsrecht, wenn bei Stiftern und Klöstern hierĂŒber Unklarheiten bestanden.cite-ref-3[3] 1743 schlug der zum Kaiser gewĂ€hlte bayerische KurfĂŒrst Karl Albrecht der Habsburgerin Maria Theresia vor, Ăsterreich und insbesondere Bayern durch die SĂ€kularisation und Einverleibung von FĂŒrstbistĂŒmern zu vergröĂern. Maria Theresia lehnte dies als groĂes Unrecht ab.cite-ref-4[4]
Im Rahmen der Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. (1773) wurden die in Bayern gelegenen GĂŒter des Jesuitenordens auf Weisung des Papstes dem kurfĂŒrstlichen Schulfonds zur VerfĂŒgung gestellt.cite-ref-5[5] Im Jahre 1778 gelang einem PrĂ€laten in Aschaffenburg ein SĂ€kularisationsvorhaben: Der FĂŒrsterzbischof von Mainz zog gegen eine nur geringe EntschĂ€digung den Klostergarten eines Kapuzinerklosters ein und verwendete ihn als Schlossgarten und als Holzhof fĂŒr seine weltliche Hochstiftsregierung.cite-ref-6[6] 1783 stimmte Papst Pius VI. dem Antrag des kurpfalz-bayerischen KurfĂŒrsten Karl Theodor auf Aufhebung der PrĂ€monstratenserabtei Osterhofen und des Augustinerchorherrenstiftes Indersdorf zu.cite-ref-7[7] 1787 wies der FĂŒrstbischof von Bamberg in einer VisitationsverfĂŒgung die Zisterzienserabtei Langheim darauf hin, dass eine Aufhebung der Klöster möglich und der Vorwurf der Prachtliebe deshalb zu vermeiden sei.cite-ref-8[8] 1789 verfasste der Jurist Maximilian von Montgelas eine Denkschrift, in der er eine SĂ€kularisation fĂŒr wirtschaftlich wĂŒnschenswert und aufgrund des WestfĂ€lischen Friedens fĂŒr rechtlich zulĂ€ssig hielt. 56 v. H. der Hofstellen seien in kirchliches Obereigentum gelangt, und diese Konzentration schĂ€dige den Wirtschaftsverkehr.cite-ref-9[9]
Ăsterreich
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Hauptartikel
:
Josephinismus
Kaiser Joseph II., Herrscher des aufgeklĂ€rten Absolutismus, löste bereits vor der Französischen Revolution zahlreiche Klöster und Kirchen auf und zog deren Vermögen ein. Von 915 Klöstern (762 MĂ€nner-, 153 Frauenklöster), die 1780 in Ăsterreich (mit Böhmen, MĂ€hren und Galizien) existierten, blieben nur 388 erhalten.
SÀkularisation nach der Französischen Revolution
Frankreich
Die SĂ€kularisation in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts geht auf Debatten in der Zeit der AufklĂ€rung zurĂŒck. Sie ist die umfassendste, die bislang stattfand. Beinahe alle geistlichen ReichsstĂ€nde wurden aufgelöst und annĂ€hernd 95.000 kmÂČ GrundflĂ€che, auf denen mehr als 3 Millionen Menschen lebten, wechselten ihren Herrscher oder EigentĂŒmer.
Die französische Nationalversammlung beschloss schon zu Beginn der Französischen Revolution am 2. November 1789 in einem Dekret (DĂ©cret des biens du clergĂ© mis Ă la disposition de la Nation), das auf eine Antragsvorlage des Abgeordneten der Nationalversammlung und spĂ€teren AuĂenministers Napoleons, Bischof Charles-Maurice de Talleyrand-PĂ©rigord, zurĂŒckging, die Nationalisierung der KirchengĂŒter und damit die faktische Enteignung der katholischen Kirche. Hintergrund waren massive BemĂŒhungen, der Finanzkrise des französischen Staates, die vor allem durch die o. g. kostenaufwĂ€ndige Beteiligung Frankreichs am Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg bedingt war, entgegenzuwirken. Mit der 1790 verabschiedeten Zivilverfassung des Klerus wurde eine französische Nationalkirche geschaffen, deren Priester wie Staatsbeamte einen staatlichen Sold bekamen und einen Eid auf die Nation und die neue Verfassung ablegen mussten. Somit wurde schon am Anfang der französischen Revolution durch die Abschaffung der alten StĂ€ndeordnung die Vormachtstellung des Klerus beendet. Mit der Enteignung des kirchlichen Besitzes wurde die wirtschaftliche und politische Macht der Kirche erheblich beschnitten.cite-ref-10[10]
Erst mit dem zwischen Napoleon Bonaparte und Papst Pius VII. geschlossenen Konkordat von 1801 kam es zumindest formal wieder zu einer Aussöhnung zwischen der katholischen Kirche und dem französischen Staat.
Italien
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Hauptartikel
:
Eversione dellâasse ecclesiastico
1866 sah sich das junge Königreich Italien mit einem schwierigen und kostspieligen Krieg gegen Ăsterreich konfrontiert (Dritter Italienischer UnabhĂ€ngigkeitskrieg). Aufgrund der enormen Kriegsausgaben stieg das Staatsdefizit auf eine bis dahin nicht erreichte Höhe. Die Antwort des Staates auf die schwere Finanzkrise war die Beschlagnahmung von Kircheneigentum. Die Konfiszierungen verschĂ€rften den politischen Konflikt mit dem Heiligen Stuhl, der seinen Ursprung in der Römischen Frage hatte und erst mit der Unterzeichnung der LateranvertrĂ€ge 1929 beigelegt werden konnte.
Linksrheinische Départements Deutschlands 1802
Anders als im rechtsrheinischen Gebiet fand die SĂ€kularisation in den seit 1798 bestehenden vier linksrheinischen DĂ©partements, die 1801 im Frieden von LunĂ©ville Frankreich zugesprochen worden waren, im Jahre 1802 statt.cite-ref-11[11] Grundlage der SĂ€kularisation war das Konkordat von 1801, in dem die kirchenrechtliche Genehmigung der SĂ€kularisation gegeben wurde. Am 9. Juni 1802 wurden mit einem Konsularbeschluss (âArrĂȘtĂ© des Consulsâ) â im rechtlichen Sinne eine Verordnung â die kirchlichen VerhĂ€ltnisse neu geregelt; mit Ausnahme der BistĂŒmer und Pfarreien wurden fast alle geistlichen Einrichtungen aufgehoben und ihr Besitz dem französischen Staat ĂŒbertragen.cite-ref-12[12]
Alle Ordensleute mit linksrheinischen Wurzeln erhielten gemÀà Konsularbeschluss eine jĂ€hrliche Pension von 500 (fĂŒr unter 60-JĂ€hrige) bzw. 600 Francs (ab 60 Jahren). Diejenigen, die ursprĂŒnglich aus rechtsrheinischen Gebieten stammten, mussten die linksrheinischen Gebiete verlassen und erhielten einmalig 150 Francs fĂŒr die Kosten ihrer Reise.cite-ref-13[13]
Zur Aufbesserung der Finanzen des französischen Staates wurden die sĂ€kularisierten GĂŒter in den folgenden Jahren versteigert und gingen ĂŒberwiegend an private KĂ€ufer. Auch die geistlichen ReichsstĂ€nde wurden aufgehoben und ihr Besitz verstaatlicht.cite-ref-14[14]
Rechtsrheinische Gebiete 1803
Durch die Verschiebung der französischen Ostgrenze hatten deutsche Territorialherren Gebietsverluste erlitten. Als EntschĂ€digung wurden ihnen im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 die kirchlichen ReichsstĂ€nde (die geistlichen FĂŒrstentĂŒmer) und die meisten ReichsstĂ€dte (in diesem Fall spricht man von Mediatisierung) zugeschlagen.
Artikel 35 des Reichsdeputationshauptschlusses ging ĂŒber die reine EntschĂ€digung sogar hinaus. Die GebĂ€ude und GĂŒter der aufgehobenen Stifte, Abteien und Klöster wurden der Disposition (VerfĂŒgungsgewalt) der Landesherren unterstellt.cite-ref-15[15] Das erlaubte es auch Herrschern, die keinen Territorialverlust erlitten hatten, kirchliche GĂŒter zu ihren Gunsten einzuziehen und ihre Finanzen zu entlasten.
Der Reichsdeputationshauptschluss betraf die geistlichen KurfĂŒrstentĂŒmer Köln und Trier, das Erzstift Salzburg sowie die Hochstifte OlmĂŒtz, Augsburg, Bamberg, Basel, Breslau, Brixen, Chur, Corvey, EichstĂ€tt, Freising, Fulda, Hildesheim, Konstanz, LĂŒbeck, LĂŒttich, MĂŒnster, OsnabrĂŒck, Paderborn, Passau, Regensburg, Speyer, Trient, Worms und WĂŒrzburg. Auch alle anderen geistlichen FĂŒrstentĂŒmer, zu denen z. B. die Reichsabteien und die anderen Reichsstifte gehörten, wurden aufgelöst.cite-ref-16[16]
Lediglich Kurmainz, dessen verbliebenes rechtsrheinisches Territorium auf das FĂŒrstentum Aschaffenburg ĂŒbertragen wurde, wurde nicht aufgelöst. Karl Theodor von Dalberg, der letzte Mainzer Erzbischof, verblieb als Erzkanzler des Reiches.
Politische Folgen
Viele BesitztĂŒmer der Kirche, unter ihnen auch landstĂ€ndische Klöster oder die bisherigen fĂŒrstbischöflichen Residenzen, wurden enteignet und fielen an weltliche Landesherren. Insbesondere profitierten der König von PreuĂen, der KurfĂŒrst von Bayern, der Herzog von WĂŒrttemberg, der Markgraf von Baden und der Landgraf von Hessen-Darmstadt von der SĂ€kularisation. Allein in Baden vervierfachte sich die FlĂ€che des Landes, die Zahl der Einwohner verfĂŒnffachte sich durch den Landzugewinn. WĂŒrttemberg konnte seine FlĂ€che und Einwohnerzahl immerhin verdoppeln.
Durch die Enteignung kirchlicher GĂŒter verlor insbesondere die katholische Kirche einen GroĂteil ihrer weltlichen Macht.
Soziale Folgen
Vor allem das weltliche Dienstpersonal im Kloster sowie die unmittelbar vom Kloster abhÀngigen Handwerker und Gewerbetreibenden verloren ihre ArbeitsplÀtze und gerieten in eine bedrohliche Armut.
Der enteignete â teilweise sehr groĂe â Grundbesitz wurde oftmals dem Landesherrn bzw. Staat direkt zugeschlagen oder in Stiftungen eingebracht, um dem bisherigen Zweck weiter zu dienen. Die vermögensrechtlichen Folgen der Enteignungen stellen noch heute in Form der Staatsleistungen ein staatskirchenrechtliches Problem dar.
Kulturelle Folgen
Durch die Auflösung der kirchlichen Institutionen wurden ihre GebĂ€ude und beweglichen BesitztĂŒmer nicht mehr fĂŒr ihren ursprĂŒnglichen Zweck benötigt. Die enteigneten Klöster konnten teils als StaatsgebĂ€ude (z. B. GefĂ€ngnisse) ĂŒbernommen werden, teils wurden sie meistbietend versteigert. Viele von ihnen verkaufte man auf Abbruch, d. h., sie wurden vom KĂ€ufer abgerissen und das Material fĂŒr andere Zwecke verwendet, vor allem die schlecht fĂŒr andere Zwecke verwendbaren Kirchen waren hiervon betroffen. Im gĂŒnstigsten Fall konnte eine ehemalige Klosterkirche als Pfarrkirche weiterverwendet werden, z. B. die Kirche der Abtei PrĂŒm in der Eifel, die bis heute Pfarrkirche ist. Kunstwerke und liturgische GerĂ€te wurden teilweise ebenfalls an andere Kirchen abgegeben, vieles aber auch vernichtet, da wesentlich mehr Objekte zur VerfĂŒgung standen, als benötigt wurden.
Die Auflösung hatte aber auch Folgen fĂŒr Bibliotheken und Archive der Klöster, die hĂ€ufig in alle Winde verstreut wurden. Gleichzeitig entstanden allerdings auch erste private Sammlungen wertvoller BĂŒcher, Handschriften und Kunstwerke, die teilweise spĂ€ter wieder in die öffentliche Hand gelangten und den Grundstock fĂŒr Archive und Bibliotheken bildeten; in manchen FĂ€llen waren diese Sammler selbst ehemalige Mitglieder einer kirchlichen Institution, z. B. Ferdinand Franz Wallraf in Köln.
Siehe auch
Literatur
âą Marcel Albert: Die Gedenkveranstaltungen zum 200. Jahrestag der SĂ€kularisation 1803â2003. Ein kritischer RĂŒckblick. In: Römische Quartalschrift, 100, 2005, S. 240â274.
âą Christian Bartz: Die SĂ€kularisation der Abtei Laach im Jahre 1802. Eine Fallstudie. In: Rheinische VierteljahrsblĂ€tter, 62, 1998, S. 238â307.
âą Paul Fabianek: Folgen der SĂ€kularisierung fĂŒr die Klöster im Rheinland. Am Beispiel der Klöster Schwarzenbroich und KornelimĂŒnster. Books on Demand, 2012, ISBN 978-3-8482-1795-3.
âą Reiner GroĂ: Geschichte Sachsens. Berlin 2001 (4. Auflage 2012, ISBN 978-3-361-00674-4).
âą Volker Himmelein (Hrsg.): Alte Klöster, neue Herren. Die SĂ€kularisation im deutschen SĂŒdwesten 1803. GroĂe Landesausstellung Baden-WĂŒrttemberg 2003. Thorbecke, Ostfildern 2003, ISBN 3-7995-0212-2 (Ausstellungskatalog und Aufsatzband).
⹠Georg Mölich, Joachim Oepen, Wolfgang Rosen (Hrsg.): Klosterkultur und SÀkularisation im Rheinland. Klartext Verlag, Essen 2002, ISBN 978-3-89861-099-5.
âą Isa LĂŒbbers, Martin RöĂler, Joachim StĂŒben (Hrsg.): SĂ€kularisierung â ein weltgeschichtlicher Prozess in Hamburg. Peter Lang, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-631-67547-2.
âą Winfried MĂŒller: Ein bayerischer Sonderweg? Die SĂ€kularisation im links- und rechtsrheinischen Deutschland. In: Alois Schmid (Hrsg.): Die SĂ€kularisation in Bayern 1803. Kulturbruch oder Modernisierung? C. H. Beck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-10664-1, S. 317â334.
âą Winfried MĂŒller: Die SĂ€kularisation von 1803. In: Walter BrandmĂŒller (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte. Band 3. Eos Verlag, St. Ottilien 1991, S. 1â84.
âą Winfried MĂŒller: Zwischen SĂ€kularisation und Konkordat. Die Neuordnung des VerhĂ€ltnisses von Staat und Kirche 1803â1821. In: Walter BrandmĂŒller (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte. Band 3. Eos Verlag, St. Ottilien 1991, S. 85â129.
⹠Volker Rödel, Hans Ammerich, Thomas Adam (Hrsg.): SÀkularisation am Oberrhein (= Oberrheinische Studien. Band 23). Thorbecke, Ostfildern 2004, ISBN 3-7995-7823-4.
âą Alfons Maria Scheglmann: Geschichte der SĂ€kularisation im rechtsrheinischen Bayern. 3 BĂ€nde. Habbel, Regensburg 1903â1908.
âą Rudolf Schlögl: Glaube und Religion in der SĂ€kularisierung. Die katholische Stadt â Köln, Aachen, MĂŒnster â 1740â1840. Oldenbourg, MĂŒnchen 1995, ISBN 3-486-56080-8.
⹠Dietmar Stutzer: Die SÀkularisation 1803. Der Sturm auf Bayerns Kirchen und Klöster. Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg, 1976, ISBN 3-475-52237-3.
âą Hermann Uhrig: Die Vereinbarkeit von Art. VII des Friedens von LunĂ©ville mit der Reichsverfassung. 5 BĂ€nde, Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-862-3; 2789 S. (zugleich erweiterte Jur. Diss. TĂŒbingen 2011, urn:nbn:de:bsz:21-opus-56749).
âą Eberhard Weis: Montgelas. Erster Band. Zwischen Revolution und Reform 1759â1799. 2. Auflage. Beck, MĂŒnchen 1988, ISBN 978-3-406-32974-6.
âą Matthias Wemhoff: SĂ€kularisation und Neubeginn. Schnell & Steiner, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7954-1963-9 (anlĂ€sslich der Eröffnung der Ausstellung im Landschaftsverband Westfalen-Lippe-Landesmuseum fĂŒr Klosterkultur im Kloster Dalheim).
Weblinks
Wiktionary: SĂ€kularisation
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber SĂ€kularisation im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą SĂ€kularisation in Bayern auf Bayern 2 radioWissen
âą SĂ€kularisation in Westfalen auf lwl.org
Einzelnachweise
cite-note-11. â Marie-Luisa Frick, Andreas Oberprantacher (UniversitĂ€t Innsbruck): Wiederkehr des VerdrĂ€ngten? Die âKriseâ der SĂ€kularisierungsthese im Spiegel gegenwĂ€rtiger Debatten ĂŒber das PhĂ€nomen âReligionâ in Europa. Innsbrucker Diskussionspapiere zu Weltordnung, Religion und Gewalt, Nr. 24, 2008 (Titelaufnahme bei der ULB Tirol mit PDF-Download), S. 4: dort Bezug nehmend auf den Artikel SĂ€kularisation, SĂ€kularisierung, in: Geschichtliche Grundbegriffe, Band 5 (1984), S. 794 f.
cite-note-22. â GroĂ, S. 53â55.
cite-note-33. â Scheglmann I, S. 2.
cite-note-44. â Scheglmann I, S. 3 (Digitalisat).
cite-note-55. â Scheglmann I, S. 51.
cite-note-66. â Scheglmann I, S. 48.
cite-note-77. â Scheglmann I, S. 61â72.
cite-note-88. â Scheglmann I, S. 74.
cite-note-99. â Weis, Montgelas I, S. 121â125.
cite-note-1010. â Paul Fabianek: Folgen der SĂ€kularisierung fĂŒr die Klöster im Rheinland. Am Beispiel der Klöster Schwarzenbroich und KornelimĂŒnster. Verlag BoD 2012, ISBN 978-3-8482-1795-3, S. 6 und Anlage (Dekret âLe dĂ©cret des biens du clergĂ© mis Ă la disposition de la Nationâ)
cite-note-1111. â Wilhelm Janssen: Kleine Rheinische Geschichte, S. 261.
cite-note-1212. â Eduard Hegel: Geschichte des Erzbistums Köln. Bd. IV, S. 487â521.
cite-note-1313. â Paul Fabianek: Folgen der SĂ€kularisierung fĂŒr die Klöster im Rheinland. Am Beispiel der Klöster Schwarzenbroich und KornelimĂŒnster. Verlag BoD 2012, ISBN 978-3-8482-1795-3, S. 13 mit Anlage (Konsularbeschluss âArrĂȘtĂ© portant suppression des ordres monastiques et congrĂ©gations rĂ©guliĂšres dans les dĂ©partemens de la Sarre, de la RoĂ«r, de Thin-et-Moselle et du Mont-Tonnerreâ)
cite-note-1414. â Wolfgang Schieder (Hrsg.): SĂ€kularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803â1813. Teil V/1 und V/II Roerdepartement.
cite-note-1515. â Georg Mölich, Joachim Oepen, Wolfgang Rosen (Hrsg.): Klosterkultur und SĂ€kularisation im Rheinland. Essen 2002, S. 20â21.
cite-note-1616. â Vgl. Bettina Braun, Mareike Menne, Michael Ströhmer (Hrsg.): Geistliche FĂŒrsten und geistliche Staaten in der SpĂ€tphase des Alten Reiches. Bibliotheca Academica, Epfendorf am Neckar 2008, ISBN 978-3-928471-72-5.